Rechnen am Rechner

Mathe ohne kariertes Papier, Bleistift und Geo-Dreieck? Der Dozent war von der Idee nur mäßig begeistert. So wie ich von Mathe generell. Aber zur VWL gehört sie eben dazu. Und natürlich auch zu meinem papierlosen Projekt. Also saß ich in der Mathe-Übung nur mit Laptop ausgestattet. Vorweg: Es ging und es sah alles sehr ordentlich aus. Aber einfach ist was anders.Die erste halbe Stunde war leicht, da hat der Dozent nämlich nur erklärt. Ich wusste vorher: Der kritische Moment wird sein, wenn er den Overhead-Projektor einschaltet und die warmen Worte spricht: „Da machen wir jetzt mal ein Beispiel.“ Ich hatte mich vorher ein bisschen durchs Netz geklickt und hier sogar schon einen Tipp bekommen. Mathe auf dem Rechner sollte ja – der Name verpricht’s – nicht so schwierig sein. Fürs Erste wollte ich mich mit der Mac-eigenen Software Grapher begnügen. Zwar geht es mir überhaupt nicht darum, Kurven darzustellen. Aber dort kann man relativ einfach diese ganzen Terme, Matrizen und Zeichen eingeben.

Wohlgemerkt: relativ einfach. Um diesen Bruch zu fabrizieren bedarf es inklusive aller shift- und alt-Tasten immerhin 27 Anschlägen:

Übrigens: Für alle, die mit dem hier abgebildeten Mathe-Kram nichts anfangen können. Das macht nichts. Erstens geht’s ja nicht darum, was das bedeutet, sondern nur, ob man es am Computer aufschreiben kann. Zweitens verpasst ihr nichts. Und drittens kapier’ ich auch nur die Hälfte. Was im Übrigen kein unwichtiges Problem ist. Normalerweise brauche ich 110 Prozent meiner Denkkapazität, um diesem Zeichenwust überhaupt folgen zu können. Jetzt geht locker die Hälfte der Zeit dafür drauf, mit diesem Programm zu kämpfen. Wo ist das ∂? Wie erstelle ich eine Matrix? Nach zweieinhalb Stunden war ich schon deutlich schneller als zu Beginn. Aber die Zehn-Minuten-Pause musste ich nutzen, um irgendwelche Brüche zu formatieren. Die Karopapier-User waren Kaffee holen.

Dafür sieht es dann auch viel ordentlicher als früher aus:

Screenshot der Übungen: In Reih und Glied.

Drei dieser Übungen habe ich gemacht, während die meisten anderen alle vier erledigt haben. Immerhin. Die Therme habe ich alle in Grapher eingegeben und danach in ein Word-Dokument kopiert. Das klappt, könnte aber irgendwie effizienter sein. Ich werde mich jetzt auch mit anderen Lösungen auseinander setzen und testen, was besser funktioniert.

Term in Grapher. Das Koordinatensystem unten ist natürlich überflüssig - ich benutze nur den Editor.

Wenn ich ein Programm finde, das sich so gut beherrschen lässt, dass ich mich nicht mehr darauf, sondern auf Mathe konzentrieren kann – dann wäre das auf jeden Fall besser als Papier. Schließlich sehen gerade lange Terme oft eher unleserlich aus. Und wer sich einmal verschreibt, muss ganze Seiten streichen. Ich bin also in Bezug auf Mathe recht optimistisch. Auch wenn der Dozent nur ein spöttisches „Na, ob das klappt?“ für das Vorhaben übrig hatte.

„Du machst dir das Leben unnötig schwer“, wurde mir von einem attestiert, der nicht nur besser in Mathe ist als ich – sondern dank seines Stiftes auch deutlich schneller fertig war mit den Übungen. In Mathe beirrt mich das wenig: Noch mögen meine Bemühungen holprig laufen, aber im Grunde halte ich die Digitalisierung der Mathe-Übung für sinnvoll. Bei Technik des betrieblichen Rechnungswesens bin ich mir da nicht so sicher. Denn da haben wir ein gebundenes Skript (natürlich aus Papier), in dem vieles ausgefüllt werden sollte. Ob es mein universitäres Leben erleichtert, darauf zu verzichten, darf bezweifelt werden. Wird es von mir auch. Aber probieren werde ich es natürlich trotzdem.

Was denkt ihr? Soll sich Mathe ohne Bleistift durchsetzen oder ist Ableiten auf Papier besser? Habt ihr noch mehr Tipps für mich? Ich freu‘ mich auf eure Kommentare.

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5 Kommentare

Eingeordnet unter Medien, Menschen, Papierlos

5 Antworten zu “Rechnen am Rechner

  1. Damian

    Monsieur le Strull,

    Versuch’s mal mit Latex. Ein äusserst interessantes freeware-Programm, das von den ganz professionellen genutzt wird und nach kurzer Eingewöhnungsphase schnell geht. Für Fragen stehe ich zur Verfügung!

    http://www.latex-project.org/

    Ebenso hilfreich, gerade wenn man mal keine Thermen mehr vereinfach will: http://www.wolframalpha.com/

    Grüße von einer Metropole in die nächste,

    D

  2. Mr. D.
    Vielen Dank für den Tipp. Nachdem die Software hier schon zum zweiten mal empfohlen wird, werde ich sie mir auf jeden Fall jetzt mal intensiv zu Gemüte führen. Und nächste Woche dann damit die Mathe-Welt rocken. Vielleicht. 🙂
    Metroplitane Grüße zurück,
    J 🙂

  3. Christian H.

    Ziemlich wichtig für LaTeX sind 1.:
    ftp://ftp.dante.de/tex-archive/info/lshort/german/l2kurz.pdf – speziell der Teil über das Setzen von mathematischen Formeln.

    Dein Bruch in Latex sieht übrigens folgendermaßen aus:
    $\frac{\left( \partial^2 \cdot f(x,y) \right)}{^\partial x \cdot \partial x}$
    Sind zwar 77 Anschläge, dafür hast Du aber das Gefrickel mit der Position Deines Cursors nicht, und das ganze wird viel schneller.

    Und 2.: Übung, Übung, Übung. Ich hab etwa zwei Wochen gebraucht, bis ich mit LaTeX nicht mehr langsamer – und zusätzliche zwei, bis ich deutlich schneller war, als meine Kommilitonen mit Papier und Stift.

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